Hermann Hübsch lebte von 1945/46 bis 1987 in seinem Gütle am „Kächeles-Buckel“ zwischen Salzäcker-Siedlung und Plieningen. Das Gewand wurde nach seinem Vormieter, dem Lehrer und Kommunisten Hans Kächele benannt, der hier mit seiner Familie (Frau und vier Kindern) von 1933 bis 1945 leben musste, weil ihm das Arbeiten in seinem Beruf, von den Nationalsozialisten, verboten wurde.
Die Mauerflächen des Fachwerkbaus verziehrte Herr Hübsch in den 1950er Jahren mit farbigen Wandfresken und Sgrafitti. Kunst, Musik, Muße, Landwirtschaft, Acker- und Gartenbau waren hier die bevorzugten Themen für die Motive. Aber auch Ornamente, geometrische Kompositionen und Mosaike schmückten die Wände des Gartenhauses.
An der Frontseite hing eine von ihm gestaltete Sonnenuhr mit Tierkreiszeichen.
Sein Gartenhaus hatte zwei Ebenen. Die Küche im Erdgeschoss war mit einem Holzherd, einem Tisch und Stühlen ausgestattet. Vor der Küche befand sich ein überbauter Bereich, von seinem Wohnzimmer im 1. Stock, so dass er auch bei Regen, geschützt vor seinem Häuschen sitzen konnte. Hier standen auch eine alte Obst- und Beerenmühle, ein großer Tontopf und Stühle zum Sitzen. Über der Küche, in der oberen Ebene, war sein geräumiges Wohn-/Schlafzimmer. Man gelangte aber nur über den Garten dort hin. Wenn man eintrat, dann musste man zuerst eine Galerie nach vorne laufen und dann öffnete sich das große Zimmer. Vier Fenster an der Frontseite (Überbau) versorgten den Raum mit viel Licht. Die drei seitlichen Fenster waren meist mit Klappläden verschlossen. Im helleren vorderen Bereich standen ein Tisch und Stühle. Im hinteren Bereich stand sein Bett. Neben dem Eingang zu seinem Wohn- / Schlafzimmer war der Abort. Auf der Rückseite davon war ein Schuppen angebaut, in dem Herr Hübsch sein Gartenwerkzeug lagerte.
Das Häuschen verfügte über keinen Strom- und Wasseranschluss. Eine Quelle auf dem Grundstück speiste einen großen Holztrog vor dem Haus und versorgt ihn so mit Wasser. Außerdem befüllte die Quelle ein gemauertes Schwimmbad, in dem Herr Hübsch, bis in die 1970er Jahre hinein, morgens seine Runden schwamm.
Im Sommer wurde diese Wasserquelle auch von den Bienenvölkern genutzt, die von der Uni Hohenheim auf dem Grundstück aufgestellt wurden. Oft herrschte sehr starker „Flugbetrieb“ und dann war es ratsam, sich besser nicht in diesem Bereich aufzuhalten.
An sehr kalten Wintertagen gefror diese Quelle auch ein und dann musste er, gezwungener-maßen, in seinem Atelier in der Ameisenbergstraße, nächtigen. Geheizt wurde nur in der Küche mit Holz und Kohlen. Im Wohn-/Schlafzimmer über der Küche wurde nicht geheizt.
Herr Hübsch war „Leuzianer“, FKK-Anhänger und er liebte das Sonnenbaden. Am Waldrand, oberhalb einer Wiese, ein paar Schritte von seinem Gütle entfernt, hatte er eine „geheime“ Stelle, wo ihn niemand störte und er seiner Leidenschaft nachgehen konnte.
Ein kniender Terrakotta-Putto mit Krug, aus dem Wasser floss, zierte das „Lebensbrünnlein“ auf dem Gelände. Am Eingang zu seinem Gütle stand ein größerer Heuschuppen/Schopf mit oben offener Frontseite. Herr Hübsch nutzte ihn als Leitergestell und als Lager für die Aufbewahrung von Holzbalken und Gartengeräten.
Er baute viel Obst und Gemüse in seinem Gütle an und versorgte sich so selbst. Da sein Refugium mitten im Wald lag, machten ihm Rehe, Vögel, Mäuse und Hasen oft die Ernte streitig.
Herr Hübsch erzählte auch gerne die Geschichte, wie er einen Einbrecher in die Flucht schlagen konnte. Er schlief in seinem Bett und wurde in der Nacht durch ein Geräusch geweckt. Da sah er, wie ein Mann mit Taschenlampe und mit Hilfe einer Leiter versuchte, über ein Fenster, in sein Wohnzimmer einzusteigen. Für solche Fälle hatte sich Herr Hübsch einen Selbstschussapparat über der Eingangstüre montiert und mit einer langen Schnur zu seinem Bett ausgestattet. Als er an der Schnur zog, zündete tatsächlich die eingelegte Patrone und es gab einen lauten Knall. Der Einbrecher erschrak fast zu Tode und sprang von ganz oben hinunter in den Garten und „humpelte“ dann von dannen. Eine Zeit lang hing auch ein Schild an der Eingangstür mit der Aufschrift: „Lieber Einbrecher, hier gibt es nichts zu stehlen“.
Im Gütle erhielt Herr Hübsch oft Besuch von Bekannten und Anwohnern aus der Landhaussiedlung oder aus Plieningen. Auch seine Frau und Mathias kamen regelmäßig zu Besuch und übernachteten in Sommernächten auch manchmal dort. Das Gütle war recht groß und musste mehrmals im Jahr von ihm mit der Sense gemäht werden.
Herr Hübsch lebte in seinem Gartenhaus sehr spartanisch und genügsam im Einklang mit der Natur, den Tages- und Jahreszeiten. Dies lässt sich vielleicht aus seiner Vita heraus erklären. Seine frühen Lebensjahre als Sohn eines Zimmermannes (sein Vater ist schon früh auf dem Bau verunglückt) waren geprägt von Armut und Verzicht. Die Familie hatten nicht viel zum Leben. Er sagte öfter über seine Körpergröße, dass aus ihm nur ein kleines „Männlein“ geworden sei, weil er in seiner Jugend vielen Entbehrungen ausgesetzt war.
Nachdem Herr Hübsch 1987 aus seinem Gütle ausgezogen war, verwilderte das Grundstück sehr schnell und wurde zu einem verwunschenen Garten. 2016 gaben die Stützbalken des Überbaus nach und das Gartenhaus stürzte teilweise in sich zusammen und wurde dann abgetragen. Aus dem Schuttberg konnte nur noch eine der beiden Tauben vom „Hirschmosaik“ gerettet werden.