Archiv der Kategorie: Kunst am Bau

Historisch hat Kunst am Bau eine lange Tradition: Schon in der Antike wurden Gebäude mit Skulpturen, Reliefs oder Wandmalereien gestaltet. Im 20. Jahrhundert, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg, gewann das Konzept in vielen Ländern Europas an Bedeutung. In Deutschland wurde es beispielsweise zu einem festen Bestandteil öffentlicher Bauvorhaben, oft mit der Regel, einen bestimmten Prozentsatz der Baukosten für Kunst zu verwenden.

Kunst am Bau

Zitat Hermann Hübsch: „An der Wand ist man Diener der Architektur“.

Seine Arbeiten sollten das Bauprojekt nicht überstrahlen sondern schmückendes Beiwerk sein, an dem sich die Betrachterinnen und Betrachter erfreuen können.

Als gelernter Schildermaler gestaltete Hermann Hübsch die Fassaden von Handwerksbetrieben und Händlern mit Namen, Firmenlogos und Emblemen. Hierbei erlernte er auch die Sgraffito-Technik, mit der man z. B. Schriftzüge besonders plastisch darstellen konnte.

Nach dem Kriege gestaltete Herr Hübsch einige Kunst am Bau Aufträge. Durch seine einflussreichen Schwiegereltern, erhielt er Aufträge in diesem Bereich für öffentliche Bauprojekte. Andreas-Dreher-Haus AWO-Heim in Bad Cannstatt, Kindererholungsheim der AWO Nordalb, Mehrzweckhalle Holzgerlingen, Luise-Schröder-Mädchenwohnheim in Untertürkheim, Pestalozziheim der AWO in der Olgastraße und das Foyer der Stuttgarter Nachrichten in der Räpplenstraße, wurden vom ihm mit bunten Wandfresken, Sgraffiti und Mosaike verschönert. Desweiteren wurden einige Aufträge für Vereine, Gaststätten und an Privathäusern von ihm umgesetzt. Auch für das Wohnhaus in der Wannenstraße gestalteten er und seine Frau eine Sonnenuhr und mehrere Bildnisse als Wandfresken und in Sgraffito-Technik.

Entwürfe für Wandfresken:

Wandfresken:

Anfang der 1950er Jahre, verziehrte er die Außenwände an seinem „Gütle“ mit farbigen Wandbildern (Allegorien). Mit einem Pinselstiel wurden hier die Motive, in den noch weichen Putz, angelegt bzw. hinein modelliert. Anschließend wurden die Farbpigmente eingearbeitet.

Sgraffiti (italienisch: sgraffiare = kratzen)

Bei der Sgraffiti-Technik (Kratzputz) werden unterschiedlich gefärbte und übereinanderliegende Putzschichten, mit einer Spachtel  freigekratzt. Hierdurch erzielt man dreidimensionale Effekte und eine größere Plastizität bei der Darstellung. Herr Hübsch schwärmte immer von den Sgraffitihäuser im Engadin, wo hier, seit dem 17. Jahrhundert, dieser Fassadenschmuck traditionell zum Einsatz kommt, und die er, bei seinen Urlauben im Kanton Graubünden, kennengelernt und bewundert hat.

Mosaike:

Für die Mosaike Weintraube und Hirsch mit Hund und Tauben, verwendete Hermann Hübsch Terra Sigillata-Scherben aus Köngen. Sie wurden seitenverkehrt auf Papier aufgebracht und dann in den noch frischen Kalkputz gedrückt. Der Hirsch wurde so in sieben Arbeitsschritten hergestellt.

1963 gestaltete er sein größtes Mosaik (61 m²) für die Stuttgarter Nachrichten. Im Foyer des Verlagsbebäudes in der Räpplenstraße, entstand ein Naturmosaik mit figürlichen Allegorien zu den wichtigsten täglichen Zeitungsthemen – Politik, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Sport.