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Ausstellungsverzeichnis

Ausstellungsverzeichnis von Herrn Hübsch:

Nr. Datum Ausstellung
1 1931 und 32 Teilnahme an der Ausstellung der „Juryfreien Künstlervereinigung Stuttgart“
2 1932 Stuttgarter Künstlerbund Frühlingsschau April 1932 (erwähnt im Katalog 100 Jahre (1898 – 1998) Stuttgarter Künstlerbund e. V.)
  22.02.1935 Kunstverein Heilbronn: A. Müller (Stgt), Fritz Hafner (Juist), Hermann Hübsch (Stgt), Heinrich Eberhard (Sillenbuch) und Professor Hermann Dischler (Hinterzarten)
3 04.03. – 14.04.1936 Ausstellung Schwäbisches Kulturschaffen der Gegenwart 1936 Kunstgebäude in Stuttgart  Selbstbildnis mit Gitarre
  31.10.1937 November-Ausstellung Kunstverein Heilbronn: Ögemälde und Aquarelle der sechs Stuttgarter Maler August Hirsching, Felix Hollenberg, Hermann Hübsch, Richard Sapper, Professor Alfred Schmidt und Arthur Seufert
4 04.10.  – November 1947 Sezessionsausstellung in den Räumen des Württ. Kunstvereins im Künstlerhaus „Sonnenhalde“ Gähkopf 3  Damenbildnis (G), Bildnis Frau R. (G) und Junge Schwäbin (Bronze) siehe Katalog Stuttgarter Sezession Band 1 Galerie Schlichtenmaier auf den Seiten 30,  95, 140; Band 2 Seite 87 Bild Wendling-Quartett 1936
5 25.11. – 23.12.1957 Weihnachtsaustellung in der Staatsgalerie 1957 Frau mit Zitronenkorb
6 25.10. – Ende November 1958 Weihnachtsschau des Württembergischen Kunstvereins in der Schellingstraße (Stillleben Zeitungsausschnitt vorhanden)
7 04.03. – 01.04.1961 Kunsthöfle Bad Cannstatt Arbeiten von Hermann Hübsch (Nachweis vorhanden)
8 1961 Weihnachtsaus-stellung Künstlerbund Stillleben Kamelien-/Azaleentopf/Rhododendron mit Krug und Zitronen Weihnachtsausstellung Künstlerbund 1961 (Zeitungsartikel vorhanden)
9 13.11. – 23. 12.1964 Ausstellung: Stuttgarter Sezession Malerei – Graphik – Plastik   Kunst am Bau                                                                                                    Württ. Kunstverein Stuttgart Kunstgebäude am Schlossplatz (Katalog vorhanden)
10 Bis 01.10.1965 Kunsthöfle Bad Cannstatt mit H. Fähnle, H. D. Bohnet, Kursaal-Galerie Ölbilder von Hermann und Pastelle und Teppiche von Doris Hübsch (Hinweis vorhanden)
11 06. November 1965? Kursaalgalerie Cannstatt Doppelausstellung mit seiner Frau Doris – Bildteppiche von ihm, Aquarelle und Ölgemälde von ihr (Zeitungsartikel vorhanden ohne Datum)
12 1966 Dreißig Jahre Cannstatter Kunsthöfle (Henninger, Fähnle, Schultz, Höschele, Schlegel und Kerkovius) Zeitungsartikel vorhanden
13 04. – 29. März 1968 150 Jahre Württembergische Malerei   Ausstellung in der Hauptstelle der Württembergischen Landessparkasse in Stuttgart Schlossstraße 26   vom 04. – 29. März 1968 (Ausstellungskatalog vorhanden)
14 01. – 28.02.1977 Gemälde Aquarelle von H. Hübsch Amtsgericht Bad Cannstatt (Einladungskarte vorhanden) mit Hans Gottfried v. Stockhausen Zeitungsauschnitt vorhanden
15 03.11. – 30.11.1981 Zum 80. Geburtstag von Hermann Hübsch eine Auswahl seiner Arbeiten im Foyer des Amtsgerichts in Bad Cannstatt (Ausstellungsplakat vorhanden)
16 1983-84 in fünf Städten Ludwigsburg, Löwen-stein, Aalen, Stuttgart, Ulm; VBKW e. V. Künstlerisches Schaffen seit 1920 Mitglieder der Jahrgänge 1894 – 1912 stellen aus Wanderausstellung Katalog vorhanden
17 1986/87? 1980iger Jahren Ausstellung in Bad Cannstatt im Amtsgericht (Kunsthöfle). Siehe Katalog 50 Jahre Kunsthöfle Bad Cannstatt gegründet 1936
18 09. 05. – 26. 07. 1987 Teilnahme an der Sezession-Ausstellung 1987, in der städtischen Galerie Böblingen Zehntscheuer, mit dem Bild Wendling Quartett 1936. Siehe Katalog Galerie Schlichtenmaier.
19 1988 Ausstellung mit seiner Frau im Altenheim in Sonnenberg (Hinweis in der Trauerpredigt von Herrn Bassler)
20 12.12.90 – 13.01.1991 Sonderkoje während der Jahresausstellung des Württembergischen Kunstvereins an Weihnachten. Ausstellungskatalog vorhanden. Er hatte hier einen Fürsprecher in Prof. Dr. Tilman Osterwold.
21 03. Mai 1994 Ausstellung im Foyer des Stuttgarter Rathauses (Er hatte hier eine Führsprecherin in der Kulturamtsleiterin Frau Dr. Sedelmeier) Einladungsflyer vorhanden.
22 10.11 – 19.12.2016 Jubiläumsausstellung 70 Jahre Freie Kunstschule Stuttgart 2016 mit zwei Bildern:  Selbstportrait und Im Garten vor dem Hause vertreten.

Familienbilder und Fotos

Familienangehörige, wie seine Frau, seinen Sohn und seine Schwiegereltern wurden öfters von ihm gezeichnet und auf Ölbildern verewigt. Auch viele Selbstbildnisse, die er von sich gemalt hat, sind erhalten geblieben. Im Wohnzimmer der Wohnung Schoettle hingen viele Familienporträts an den Wänden und auf den Sideboards standen die Büsten.

Geschichten aus seinem Leben

Geschichten aus seinem Leben – Notitzen:

Hermann Hübsch stammte aus sehr armen Verhältnissen und war, bis zu seiner Tätigkeit als Dozent an der Freien Kunstschule, finanziell nicht so gut gestellt. Als junger Maler nutzte er deshalb oft die Rückwände von alten Bildern, um eine Leinwand zum Malen zu haben. „Amtsstubenbilder“ auf der Rückseite manch seiner Bilder, belegen dies.

Herr Hübsch musste sich in den 1950iger Jahren eine Niere im Krankenhaus in Ulm entfernen lassen und war daher gezwungen, immer viel zu trinken. Er schwor auf seine selbstgesammelten Teesorten, die er auf der Bühne in der Wannenstraße trocknete. Jahreszeiten abhängig begleitet ich ihn zum Tee- und Kräutersammeln nach Bonlanden (Beinwell), Harthausen (Weißdorn), Hohenheim (Ginko), Plieninger Wald (Bärlauch, Brennnesseln, Brombeerblätter und Lindenblüten) und Sonnenbühl-Erpfingen (Johanniskraut für Öl zum Einreiben).

Hermann Hübsch war bis ins hohe Alter sehr agil und man konnte ihn in seinem Atelier oft beim „Herumstelzen“, hoch oben auf seiner Bockleiter („Malerwalk“) von einem Hochregal zum anderen, beobachten. Gelernt ist halt gelernt.

Er schwörte auf Naturheilverfahren und war der „Esoterik“ ein bisschen zugetan. Mit seinem Ehering pendelte er gerne Lebensmittel und schmerzende Körperstellen aus. Auch glaubte er an die Wirkung einer Wünschelrute und suchte nach Wasseradern und Energieströmen in seiner Wohnung.

Herr Hübsch hörte sehr schlecht. Das war natürlich zum einen altersbedingt, zum anderen rührte es auch daher, dass er sich Zwiebelstücke und Quark in die Ohren strich, um damit Heilerfolge erzielen zu können. Das Ende vom Lied war dann meist eine Fahrt zum Heilpraktiker nach Neckarhausen, damit dieser bei Herrn Hübsch eine Ohrenspülung durchführen konnte. Seine Schwiegermutter, Frau Schoettle, hatte deshalb auch eine Trillerpfeife im Einsatz, um so mit ihrem Schwiegersohn besser „kommunizieren“ zu können. Bei Anrufen holte sie ihn, mit einem lauten Trillern,  z.B. ans Telefon.

Er erzählte mir einmal eine Geschichte von einem Badefreund, den er in Öl porträtiert hatte. Der Gemalte fand sich aber nicht gut getroffen und war ihm deshalb böse. Es zerbrach sogar die Freundschaft daran. Nachdem der „Leuzianer“ gestorben war, kam sein Sohn zu Herrn Hübsch ins Atelier und schaute sich das Bildnis von seinem Vater an. Er war ganz begeistert und sagte: „Genau so war mein Vater, so hat er ausgesehen“ und kaufte das Bild. Schönheit liegt halt im Auge des Betrachters. Mich wollte Herr Hübsch übrigens nie porträtieren. Ich vermute, er wollte unsere Freundschaft nicht gefährden 😊.

Herr Hübsch bezog einen Ehrensold von der Stadt Stuttgart. Als er aber in einem Zeitungsartikel von einem großen Etatloch in der Stadtkasse las, schrieb er an Frau Dr. Sedelmaier sofort einen Brief und erklärte ihr, auf seinen Ehrensold verzichten zu wollen, um damit einen Beitrag zur Konsolidierung der Stadtfinanzen leisten zu können.                                       Frau Dr. Sedelmaier antwortete und teilte ihm mit, dass es der Stadt Stuttgart finanziell nicht so schlecht gehe und er mit gutem Gewissen den Ehrensold weiter beziehen könne. Ob er auf den Ehrensold verzichtet hat, ist mir nicht bekannt. Aber so war er –  hilfsbereit, freundlich, genügsam und zufrieden.

Zu seinem 90. Geburtstag überlegte ich mir ein besonderes Geschenk für ihn. Da er noch nie in seinem Leben geflogen war, so glaubte ich, ihm, mit einem Rundflug in einem einmotorigen Flugzeug über seine geliebte Schwäbische Alb, eine besondere Freude machen zu können. Die Sache kam aber anders.

Herr Hübsch hatte damals intensiv (wie besessen) damit begonnen, an seinen neuen Bildformaten, den Kompositionen, zu arbeiten. Der Flugtermin war für einen Sonntag geplant und wir sollten eine Stunde vorher am Flughafen sein. Leider herrschte an diesem Nachmittag Nebel, so dass wir über zwei Stunden warten mussten, bis wir starten konnten. Herr Hübsch sah die Unternehmung als vertrödelte Zeit an. „Was hätte ich in dieser Zeit heute alles im Atelier arbeiten können“, warf er mir vor. „Er habe sich auf diese Sache nur eingelassen, um mir eine Freude zu machen“. Der Flug hat ihm dann doch noch ganz gut gefallen. Wir umkreisen mehrmals die Burg Hohenzollern, hatten einen sehr schönen Sonnenuntergang als wir über den Albtrauf flogen und landeten dann wieder bei Dämmerung und unter voller Befeuerung auf der Landebahn des Stuttgarter Flughafens.

Auch nahm er Totenmasken von Freunden und Bekannten ab. Eine alte Gipsmaske hing immer in seinem Atelier (links neben dem Fenster bei den Paletten, vielleicht die Maske seiner Mutter). Nach dem seine Schwiegermutter Helene Schoettle 1994 gestorben war, wollte er unbedingt noch, am Morgen der Beerdigung, sie in ihrem Sarg zeichnen und eine Totenmaske von ihr abnehmen. Die Friedhofsordner gewährten ihm aber diesen Wunsch nicht mehr. Daraufhin zogen wir mit unverrichteter Dinge ab und kamen drei Stunden später, zur Beerdigung, bei der Oberbürgermeister Manfred Rommel die Trauerrede hielt, wieder.

Einige Schülerinnen und Schüler, die Herr Hübsch an der Freien Kunstschule unterrichtet hat, konnte ich ermitteln:

Seine Schüler Frohwalte (gestorben 2021) und Emil Wetter, Ehepaar aus Rutesheim, gratulierten Herrn Hübsch immer mit einer selbstgestalteten Karte zum Geburtstag. Sie besuchten ihn ab und zu und hielten lockeren Briefkontakt.

Von seinem Schüler Hans Epple aus Flein (gestorben 2006) sagte Herr Hübsch, dass dieser, nach seiner Frau Doris, der talentierteste Schüler war, den er unterrichtet habe und der es am weitesten gebracht hat. Herr und Frau Epple besuchten Herrn Hübsch regelmäßig.

Weitere Schülerinnen sind Eleonore Kötter (gestorben 2017), die Herrn Hübsch auf ihrer Internetseite (Museum digital) als ihren Lehrer erwähnt hat und Leonore Berg, die sich später Leoni Belmont nannte.

Sein „Gütle“

Hermann Hübsch lebte von 1945/46 bis 1987 in seinem Gütle am „Kächeles-Buckel“ zwischen Salzäcker-Siedlung und Plieningen. Das Gewand wurde nach seinem Vormieter, dem Lehrer und Kommunisten Hans Kächele benannt, der hier mit seiner Familie (Frau und vier Kindern) von 1933 bis 1945 leben musste, weil ihm das Arbeiten in seinem Beruf, von den Nationalsozialisten, verboten wurde.

Die Mauerflächen des Fachwerkbaus verziehrte Herr Hübsch in den 1950er Jahren mit farbigen Wandfresken und Sgrafitti. Kunst, Musik, Muße, Landwirtschaft, Acker- und Gartenbau waren hier die bevorzugten Themen für die Motive. Aber auch Ornamente, geometrische Kompositionen und Mosaike schmückten die Wände des Gartenhauses.

An der Frontseite hing eine von ihm gestaltete Sonnenuhr mit Tierkreiszeichen.

Sein Gartenhaus hatte zwei Ebenen. Die Küche im Erdgeschoss war mit einem Holzherd, einem Tisch und Stühlen ausgestattet. Vor der Küche befand sich ein überbauter Bereich, von seinem Wohnzimmer im 1. Stock, so dass er auch bei Regen, geschützt vor seinem Häuschen sitzen konnte. Hier standen auch eine alte Obst- und Beerenmühle, ein großer Tontopf und Stühle zum Sitzen. Über der Küche, in der oberen Ebene, war sein geräumiges Wohn-/Schlafzimmer. Man gelangte aber nur über den Garten dort hin. Wenn man eintrat, dann musste man zuerst eine Galerie nach vorne laufen und dann öffnete sich das große Zimmer. Vier Fenster an der Frontseite (Überbau) versorgten den Raum mit viel Licht. Die drei seitlichen Fenster waren meist mit Klappläden verschlossen. Im helleren vorderen Bereich standen ein Tisch und Stühle. Im hinteren Bereich stand sein Bett. Neben dem Eingang zu seinem Wohn- / Schlafzimmer war der Abort. Auf der Rückseite davon war ein Schuppen angebaut, in dem Herr Hübsch sein Gartenwerkzeug lagerte.

Das Häuschen verfügte über keinen Strom- und Wasseranschluss.  Eine Quelle auf dem Grundstück speiste einen großen Holztrog vor dem Haus und versorgt ihn so mit Wasser. Außerdem befüllte die Quelle ein gemauertes Schwimmbad, in dem Herr Hübsch, bis in die 1970er Jahre hinein, morgens seine Runden schwamm.

Im Sommer wurde diese Wasserquelle auch von den Bienenvölkern genutzt, die von der Uni Hohenheim auf dem Grundstück aufgestellt wurden. Oft herrschte sehr starker „Flugbetrieb“ und dann war es ratsam, sich besser nicht in diesem Bereich aufzuhalten.

An sehr kalten Wintertagen gefror diese Quelle auch ein und dann musste er, gezwungener-maßen, in seinem Atelier in der Ameisenbergstraße, nächtigen. Geheizt wurde nur in der Küche mit Holz und Kohlen. Im Wohn-/Schlafzimmer über der Küche wurde nicht geheizt.

Herr Hübsch war „Leuzianer“, FKK-Anhänger und er liebte das Sonnenbaden. Am Waldrand, oberhalb einer Wiese, ein paar Schritte von seinem Gütle entfernt, hatte er eine „geheime“ Stelle, wo ihn niemand störte und er seiner Leidenschaft nachgehen konnte.

Ein kniender Terrakotta-Putto mit Krug, aus dem Wasser floss, zierte das „Lebensbrünnlein“ auf dem Gelände. Am Eingang zu seinem Gütle stand ein größerer Heuschuppen/Schopf mit oben offener Frontseite. Herr Hübsch nutzte ihn als Leitergestell und als Lager für die Aufbewahrung von Holzbalken und Gartengeräten.

Er baute viel Obst und Gemüse in seinem Gütle an und versorgte sich so selbst. Da sein Refugium mitten im Wald lag, machten ihm Rehe, Vögel, Mäuse und Hasen oft die Ernte streitig.

Herr Hübsch erzählte auch gerne die Geschichte, wie er einen Einbrecher in die Flucht schlagen konnte. Er schlief in seinem Bett und wurde in der Nacht durch ein Geräusch geweckt. Da sah er, wie ein Mann mit Taschenlampe und mit Hilfe einer Leiter versuchte, über ein Fenster, in sein Wohnzimmer einzusteigen. Für solche Fälle hatte sich Herr Hübsch einen Selbstschussapparat über der Eingangstüre montiert und mit einer langen Schnur zu seinem Bett ausgestattet. Als er an der Schnur zog, zündete tatsächlich die eingelegte Patrone und es gab einen lauten Knall. Der Einbrecher erschrak fast zu Tode und sprang von ganz oben hinunter in den Garten und „humpelte“ dann von dannen. Eine Zeit lang hing auch ein Schild an der Eingangstür mit der Aufschrift: „Lieber Einbrecher, hier gibt es nichts zu stehlen“.

Im Gütle erhielt Herr Hübsch oft Besuch von Bekannten und Anwohnern aus der Landhaussiedlung oder aus Plieningen. Auch seine Frau und Mathias kamen regelmäßig zu Besuch und übernachteten in Sommernächten auch manchmal dort. Das Gütle war recht groß und musste mehrmals im Jahr von ihm mit der Sense gemäht werden.

Herr Hübsch lebte in seinem Gartenhaus sehr spartanisch und genügsam im Einklang mit der Natur, den Tages- und Jahreszeiten. Dies lässt sich vielleicht aus seiner Vita heraus erklären. Seine frühen Lebensjahre als Sohn eines Zimmermannes (sein Vater ist schon früh auf dem Bau verunglückt) waren geprägt von Armut und Verzicht. Die Familie hatten nicht viel zum Leben. Er sagte öfter über seine Körpergröße, dass aus ihm nur ein kleines „Männlein“ geworden sei, weil er in seiner Jugend vielen Entbehrungen ausgesetzt war.

Nachdem Herr Hübsch 1987 aus seinem Gütle ausgezogen war, verwilderte das Grundstück sehr schnell und wurde zu einem verwunschenen Garten. 2016 gaben die Stützbalken des Überbaus nach und das Gartenhaus stürzte teilweise in sich zusammen und wurde dann abgetragen. Aus dem Schuttberg konnte nur noch eine der beiden Tauben vom „Hirschmosaik“ gerettet werden.

Fotos aus seinen Ateliers

Es gibt verschiedene Nachweise über Ateliers, in denen Hermann Hübsch gearbeitet hat.

Auf einem Bildaufkleber gibt es den Hinweis auf ein Atelier in der Detronitestraße  in Stuttgart (heute Diemershaldenstraße 48). Hier hatte die Kunstakademie ein Atelierhaus  in dem Herr Hübsch, während seines Studiums von 1926 – 32, tätig war.

1932 bendete er sein Studium an der Akademie. Kurz darauf konnte er sich sein erstes, eigenes  Atelier, im Dachgeschoß des Hauses Birkenwaldstraße 105,  einrichten, in dem er, bis zu dessen Zerstörung bei einem Luftangriff 1944, künstlerisch arbeitete.

Am 01. Juli 1948 konnte Hermann Hübsch den Mietvertrag für sein Atelier im Ateliergebäude der Stadt Stuttgart, in der Ameisenbergstraße 61, unterzeichnen. Hier war er 47 Jahre, bis zu seinem Tode 1995, künstlerisch tätig.

Sein Atelier lag im Erdgeschoß. Es bestand aus einem kleinen Vorraum, dem großen Atelierraum mit einer sehr großen Fensterfront und einem kleinen Nebenraum, in dem eine Zwischendecke (mit Leiter) eingebaut war. In diesem Nebenzimmer stand die große Druckerpresse und eine Pritsche, auf der Herr Hübsch ab und zu nächtigte. Es gab ein Waschbecken mit Kaltwasseranschluss aber keine Heizung. Im Atelierraum stand an der linken Seite ein Kanonenofen mit dem, an sehr kalten Tagen oder wenn sich Besuch angekündigt hatte, mit Kohlen eingeheizt werden konnte. Da der Raum aber sehr groß und hoch war, lieferte der Ofen nur in unmittelbarer Nähe ein bisschen Wärme. Herr Hübsch nutzte diesen Ofen aber nur selten. Wenn es kalt war, zog er sich mehrere Kleidungsstücke unter seinem Malerkittel an, den er dann mit einem Ledergürtel zuband. Aufgrund des schlechten Kaminabzugs und der Aschereste im Ofen, roch es immer ein bisschen rauchig in seinem Atelier. Rechts vorne standen zwei blaugraue Schränke an der Wand, auf denen er Ölbilder lagerte. Auch links und rechts vom großen Fenster waren einfache Hochregale montiert, auf denen Bilder gelagert wurden. An dem linken Hochregal hingen auch seine Paletten und eine Gipsmaske.

Das ganze Atelier war mit provisorischen Tischen aus Holzböcken vollgestellt, auf denen Mappen mit Aquarellen und Malutensilien gelagert wurden. Oft gab es kein Durchkommen, weil alles verstellt war. Eine große stabile Staffelei mit Schublade stand auch im Raum. Ringsherum an den Wänden standen mehrreihig, von ihm gemalte Bilder.

Die Ölfarben, die er für seine Bilder benötigte, stellte er sich selber her. Eine große Auswahl an Gesteinsmehlen lagerte er in Gläsern unter dem Atelierfenster. Die Pigmentmehle rührte er mit Leinöl an und füllte die Farben dann in Alutuben. Einige Kartons mit neuen Farbtuben standen immer in seinem Atelier herum.

Das Atelier konnte nur sehr spärlich beleuchtet werden. Ohne Tageslicht konnte Herr Hübsch im Atelier nicht arbeiten. Es gab nur eine Glühbirne im Vorraum und eine Stehlampe als Deckenstrahler rechts vorne, die den großen Atelieraum aber nur in schwaches Dämmerlicht hüllte.

Ein großer Nadelbaum vor dem Atelierfenster störte Herr Hübsch sehr, da der Lichteinfall hierdurch stark beeinträchtigt wurde. Sein Antrag auf Baumfällung wurde aber von der Stadtverwaltung abgelehnt.

Daraufhin putzte ich das große Atelierfenster von außen und innen, was zu einer enormen Verbesserung der Lichtverhältnisse im Atelier führte. Diese Prozedur „durfte“ ich dann noch zwei weitere Male, auf Wunsch von Herrn Hübsch, durchführen. Er war mir dafür aber immer sehr dankbar.

Nach dem Krieg hatten seine Malerfreunde und Mitbegründer der Freien Kunstschule, Hans Fähnle, Rudolf Müller und Heinrich Kübler ebenfalls ein Atelier in der Ameisenbergstraße. Zu seinen Atelierkollegen*innen, in den 1990er Jahren, hatte er einen guten Kontakt. Damals waren Hans Dieter Bohnet (Bildhauer 2006 gestorben), Heidi Foerster mit ihrem Mann, Frau Reinhardt, Erich Glauer (Bildhauer 1995 gestorben) und Hans-Peter Hauf (2024 gestorben) Ateliernachbarn.

Im Archiv seiner Schülerin Eleonore Kötter gibt es eine Fotografie, die Herrn Hübsch beim Malen im Atelier in der Blumenstraße zeigt. Dieses Atelier wurde von ihm wahrscheinlich für seine Lehrtätigkeit an der Freien Kunstschule von 1947 – 56 genutzt. Anmerkung: In der Blumenstraße 36 A (Olgaeck) befand sich damals auch das Sekretariat der Freien Kunstschule.

Am liebsten arbeitete Hermann Hübsch aber im „Atelier Natur“. Malwanderungen waren für ihn stets Lebenselixier und Inspiration für neue Bilder. Er genoss das Zeichnen und Malen in freier Natur und tankte daraus immer viel Kraft und Energie.

Verschollene Kunstwerke

Im Nachlass von Hermann Hübsch befanden sich  Fotografien und Zeitungsartikel über von ihm gemalte Bilder, von deren Existenz heute kein Nachweis mehr vorliegt. Einige dieser Bilder hat er vermutlich verkauft. Viele Kunstwerke seines Frühwerks sind aber bestimmt,  bei der Zerstörung seines Ateliers in der Birkenwaldstraße,  1944 vernichtet worden.

Fotos von Porträts aus den 1920-30er Jahren, die noch, beeinflußt durch die Kunstrichtung der Neuen Sachlichkeit, von ihm gemalt worden sind, werden hier gezeigt, um die Entwicklung seines künstlerischen Schaffenswerk vollständig präsentieren zu können.

Skulpturen

Büsten und Skulpturen aus Terrakotta und Bronze wurden zwischen den 1930er – 70er Jahren von Hermann Hübsch und seiner Frau angefertigt. Die Bronze einer jungen Schwäbin, die er in der Sezessionsausstellung 1947 ausgestellt hat, Büsten seiner Familienangehörigen, ein Putto mit einer Sonnenuhr, ein wasserspeiender Putto und ein kniender Engel, sind erhalten geblieben. In einem Gespräch erzählte er mir, dass man mit dekorativen Wasserspielen, Vogeltränken und Sonnenuhren viel Geld verdienen konnte – allerings sei die künstlerische Auseinandersetzung mit diesem Thema bald nicht mehr befriedigend für ihn gewesen, da sie sehr zeitaufwendig war und ihn bei seiner malerischen Tätigkeit zu stark eingeschränkt habe. Außerdem sei beim Brennvorgang oft etwas kaputtgegangen, was ihn sehr frustriert habe und deshalb verfolgte er diese Darstellungsform, ab Mitte der 1970er Jahren, nicht weiter.

Kunst am Bau

Zitat Hermann Hübsch: „An der Wand ist man Diener der Architektur“.

Seine Arbeiten sollten das Bauprojekt nicht überstrahlen sondern schmückendes Beiwerk sein, an dem sich die Betrachterinnen und Betrachter erfreuen können.

Als gelernter Schildermaler gestaltete Hermann Hübsch die Fassaden von Handwerksbetrieben und Händlern mit Namen, Firmenlogos und Emblemen. Hierbei erlernte er auch die Sgraffito-Technik, mit der man z. B. Schriftzüge besonders plastisch darstellen konnte.

Nach dem Kriege gestaltete Herr Hübsch einige Kunst am Bau Aufträge. Durch seine einflussreichen Schwiegereltern, erhielt er hier auch Aufträge für öffentliche Bauprojekte. Das Andreas-Dreher-Haus AWO-Heim in Bad Cannstatt, das Kindererholungsheim der AWO Nordalb, die Mehrzweckhalle Holzgerlingen, das Luise-Schröder-Mädchenwohnheim in Untertürkheim, das Pestalozziheim der AWO in der Olgastraße und das Foyer der Stuttgarter Nachrichten in der Räpplenstraße, wurden vom ihm mit bunten Wandfresken, Sgraffiti und Mosaike verschönert. Desweiteren wurden einige Aufträge für Vereine, Gaststätten und an Privathäusern von ihm umgesetzt. Auch für das Wohnhaus in der Wannenstraße gestalteten er und seine Frau eine Sonnenuhr und mehrere Bildnisse als Wandfresken und in Sgraffito-Technik.

Entwürfe für Wandfresken:

Wandfresken:

Anfang der 1950er Jahre, verziehrte er die Außenwände an seinem „Gütle“ mit farbigen Wandbildern (menschliche Figuren als Personifikationen abstrakter Begriffe wie Musik, Landwirtschaft und Kunst). Mit einem Pinselstiel wurden hier die Motive, in den noch weichen Putz, angelegt bzw. hinein modelliert. Anschließend wurden die Farbpigmente eingearbeitet.

Sgraffiti (italienisch: sgraffiare = kratzen)

Bei der Sgraffiti-Technik (Kratzputz) werden unterschiedlich gefärbte und übereinanderliegende Putzschichten, mit einer Spachtel  freigekratzt. Hierdurch erzielt man dreidimensionale Effekte und eine größere Plastizität bei der Darstellung. Herr Hübsch schwärmte immer von den Sgraffitihäusern im Engadin, wo hier, seit dem 17. Jahrhundert, dieser Fassadenschmuck traditionell zum Einsatz kommt, und die er, bei seinen Urlauben im Kanton Graubünden, kennengelernt und bewundert hat.

Mosaike:

Für die Mosaike Weintraube und Hirsch mit Hund und Tauben, verwendete Hermann Hübsch Terra Sigillata-Scherben aus Köngen. Sie wurden seitenverkehrt auf Papier aufgebracht und dann in den noch frischen Kalkputz gedrückt. Der Hirsch wurde so in sieben Arbeitsschritten hergestellt.

1963 gestaltete er sein größtes Mosaik (61 m²) für die Stuttgarter Nachrichten. Im Foyer des Verlagsbebäudes in der Räpplenstraße, entstand ein Naturmosaik mit figürlichen Allegorien zu den wichtigsten täglichen Zeitungsthemen – Politik, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Sport.